0 – 99: Lebensthema Bildung
Die Frankfurter Rundschau hat ein Dossier zum Thema Wissen und Bildung online gestellt. Hier geht’s zu der Artikelsammlung.
Die Frankfurter Rundschau hat ein Dossier zum Thema Wissen und Bildung online gestellt. Hier geht’s zu der Artikelsammlung.
In Deutschland sinken die Studierendenzahlen alarmierend, ebenso auch die Ausgaben für Bildung – in den meisten anderen OECD-Länder sind die Ergebnisse besser. Hier geht’s zum taz-Artikel: Ungebildetes Deutschland
Heute ist Weltalphabetisierungstag: Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland gelten als funktionale Analphabet_innen, sie können nicht richtig lesen und schreiben. Hier geht’s zum Artikel aus der jungen Welt: Ihr Kreuz ist die Schrift
Die Tageszeitung “Neues Deutschland” hat ein Dossier zu Bildung in der gegenwärtigen Krise online veröffentlicht.
Hier findet ihr die Artikelsammlung.
Texte, die Erziehung und/oder Beschulung aus psychologischer,
lerntheoretischer und/oder pädagogischer Sicht hinterfragen.
Warum jegliche Art von Erziehung etwas anderes ist als Lernen und zu
kritisieren ist.
Erziehen ist gemein (K.R.Ä.T.Z.Ä.)
Lernen ohne Druck und Zwang (Martin Wilke)
Fällt euch denn nichts besseres ein? (K.R.Ä.T.Z.Ä.)
Eine Vielzahl von Artikeln und Beiträgen zum Themenfeld Gleichberechtigte
Eltern-Kind-Beziehungen und auch zum Thema Lernen/Schule/Unschooling
findet sich auf dem Unerzogen-Blog.
Mehr Texte von Martin Wilke zu Schule und Kinderrechten auf
www.martinwilke.de
Video (ca. 18 min) in dem Anti-Pädagogik erklärt wird. Dieses Video ist mit leichten Einschränkungen sehr empfehlenswert, im Gegensatz zu dem Rest der geistigen Ergüsse des Urhebers, welche von skurril bis brandgefährlich reichen: “Den Staat abschaffen, der freie Markt wird alles richten.” Auch ein Verständnis von “Freiheit”…
Wo Leben und Lernen zusammenfallen:
Bildung unter kooperativ-herrschaftsfreien Verhältnissen
Text über Erziehung und Geschlechter-Rollen
spielzeug und geschlecht (espi twelve)
Mehr Texte findet ihr hier:
herrschaftsfrei-lernen.de.vu
Für den Pädagogen Freerk Huisken fordern Schüler_innen im Bildungsstreik
zu wenig, Schule erzieht für ihn zur Dummheit. Hier ein Interview mit
ihm auf Telepolis.
Deutsche Schulen: “Vorsortierung, Sachzwänge, deutsche Leitkultur”
Was gibt es an der guten alten Schule auszusetzen? Eine grundlegende
Kritik an der Institution Schule und ihrer Funktion in unserem
Wirtschaftssytem.
Nie wieder (Schul-)Klassen! (aus Straßen aus Zucker)
Text über den Ursprung der Schulpflicht und das Bildung noch nie der
Zweck dieses Bildungswesens gewesen ist.
Schule bleibt gemein (Junge Linke)
In diesem Text werden anhand von existierenden Vorstellungen zur Schule
Widersprüche und Probleme aufgezeigt. Es sind Vorstellungen für was die
Schule alles gut sein könne und was man daher tun müsse.
Schule – was soll das? (Junge Linke)
Mehr Texte findet ihr hier:
10 Texte über Schule und Bildung (Junge Linke)
Und hier noch ein “netter” Radiobeitrag von nur 11 Minuten Länge, der es aber in sich hat:
Es gibt ja eine landläufige Meinung unter SchülerInnen über Schule und die ist, dass Schule erstmal Scheiße ist. Dass es auch andere Meinungen gibt, ist klar, aber das ist rein objektiv gesehen der Grundtenor. Doch es war nicht immer so, dass SchülerInnen nicht gerne zur Schule gingen. In den ersten beiden Grundschuljahren gingen viele von uns sehr gerne in die Schule, ja, man wollte etwas lernen und fand es ungemein aufregend, die ersten Wörter lesen oder rechnen zu können. Man hatte ja auch noch keine Noten – und selbst die CDU würde es nicht wagen, Noten für die ersten Schuljahre zu fordern. Wofür das bezeichnend ist und wie Lernen im Kapitalismus
funktioniert, soll im folgenden erläutert werden.
Wenn ich also in die Schule gehe, kriege ich zuerst Lernstoff. Mal angenommen, ich soll den Dreisatz lernen, da gibt es dann einen bestimmten Zeitraum, meinetwegen drei Wochen, in dem ich den Dreisatz lerne und am Ende steht eine Arbeit. Es ist zwar unlogisch, dass alle in gleichem Maße gefördert werden bzw. zum gleichen Zeitpunkt alles gelernt haben, aber so ist das halt. Ob ich das bis dahin verstanden habe, ist faktisch auch egal. Wichtig ist die Note. Ich werde also benotet und das soll dann eine Rückmeldung sein, darüber, ob ich alles verstanden habe. Was genau ich aber verstanden habe und was nicht, das sagt mir die Note nicht.
Der Zweck der Note scheint also nicht zu sein, mir beim Nacharbeiten des Lernstoffes zu helfen. Im Gegenteil: Mal angenommen, du lernst alles nach und gehst dann zur/m LehrerIn, um ihr/ihm zu beweisen, dass du den Stoff jetzt kannst, und bittest um eine bessere Note. Dann lacht sie/er dich wahrscheinlich nur aus.
Ein weiterer Aspekt ist, dass nicht alle Schülerinnen eine gute Note kriegen können, selbst wenn es alle verstanden haben. Ansonsten heißt es schnell, die Klausuren von Herrn Müller sind zu leicht, da haben ja alle eine Eins geschrieben, bzw. auch umgekehrt, die Klausuren sind zu schwer, weil niemand über eine 4 hinausgekommen ist. LehrerInnen brauchen immer eine gewisse Verteilung von guten und schlechten Noten, bzw. müssen denen, die schnell verstehen und sich dabei grundsätzlich konform verhalten, gute Noten geben.
Ein lustiges Beispiel aus der Frankfurter Rundschau dafür, dass Noten keine objektive Rückmeldung über verschiedene Leistungen sind, sondern durch sie mit Absicht ein Leistungsgefälle geschaffen wird, ist das von ungarischen LehrerInnen, die bessere Löhne forderten. Als dieses (berechtigte) Anliegen aber abgelehnt wurde, griffen sie auf eine ungewöhnliche Form des Protests
zurück: Sie gaben einfach allen SchülerInnen eine Eins. Daraufhin regten sich ganz schnell Stimmen, die meinten, die LehrerInnen sollten schnell mehr Geld kriegen und so kam es dann tatsächlich auch. Dasselbe Druckmittel haben gerade auch französische Professoren angekündigt, damit ein Regierungsdekret zur Arbeitszeit der Hochschullehrer zurückgenommen wird.
Noten haben also nicht den Zweck, eine konstruktive Rückmeldung bezüglich des Lernstoffs zu sein, sondern dienen dazu, SchülerInnen in unterschiedliche Leistungskategorien zu sortieren, bzw. für den Arbeitsmarkt vorzusortieren. Das ist dann auch eines der drei Hauptanliegen, für die die Schule ihren Anlass findet: die Selektion. Im Kapitalismus können nun mal nicht alle Leute Banker werden, sondern man braucht verschieden (gut) ausgebildete Arbeitskräfte. Deswegen werden schon in der 4ten Klasse SchülerInnen in gut und schlecht bzw. in Gymnasium und den Rest selektiert. Die GymnasiastInnen gehen dann meistens den akademischen Weg – einige von ihnen werden zur Elite, andere schlagen sich als prekär beschäftigte WissensarbeiterInnen durchs Leben. Der Rest hört nach der 10ten Klasse auf mit Beschäftigten, die jederzeit zur Verfügung stehen, so wenig wie möglich kosten und hochmotiviert ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Die Probleme an der Wurzel packen heißt, für eine grundsätzlich andere Gesellschaft zu kämpfen, in der nicht wir uns nach den Interessen der Wirtschaft ausrichten müssen, sondern die Wirtschaft demokratisch reguliert wird und nicht mehr auf dem Zwang der Maximierung von Unternehmensgewinnen basiert.
Auch wenn eine solche Gesellschaft derzeit in weiter Ferne zu sein scheint, können wir etwas dafür tun. Für alle Kämpfe im Bildungsbereich ist es dabei wichtig, den realen Druck zur Ökonomisierung des eigenen Lebens ernst zu nehmen. Denn linke Moral und besserwisserisches Gehabe gehen oft an den Lebenswirklichkeiten der Leute vorbei, die wir erreichen können. Wir wollen im Hier und Jetzt dafür kämpfen, dass die Hochschulen demokratisiert und der Einfluss der Wirtschaft zurückgedrängt werden, dass unsere Studiengänge uns Zeit für eigene Interessen lassen und sämtliche Hürden im Bildungsbereich wie Studiengebühren und Numerus Clausus abgeschafft werden. Schule und kriegt die Restjobs. Dass das nicht bei allen so ist, mag sein, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ein anderer Zweck von Noten ist die Disziplinierung. Also wenn jemand aufmuckt oder sich abweichend der Norm verhält, kriegt er/sie ganz schnell eine schlechte Note. So war das auch bei mir, ich war irgendwann in meiner Pubertät, so in der achten Klasse, ziemlich „rebellisch“ und hab dann sofort schlechte Noten bekommen und war wieder still. Das ist auch sonst so in der Gesellschaft. Wer der gesellschaftlichen Norm nicht entspricht, wie Homosexuelle, Punks oder MigrantInnen, kann in verschiedenen Situationen wie z.B. der Arbeitssuche Probleme kriegen. Man lernt also, sich bzw. seine Bedürfnisse anderen unterzuordnen. Aber das ist nicht das Einzige, was man in der Schule lernt. Konkurrenzdruck, also dass man zum Beispiel selbst seine Freunde nicht abschreiben lässt (bzw. lassen soll) ist ein grundlegendes Moment, welches den Kapitalismus auszeichnet. Stichwort „Ellbogengesellschaft“.
Der dritte Zweck neben Selektion und Disziplinierung ist natürlich Bildung, was viele SchulkritikerInnen sonst gerne mal unter den Tisch fallen lassen. Der Kapitalismus braucht ja qualifizierte Arbeitskräfte. Diese müssen aber möglichst preiswert ausgebildet werden, was man an Beispielen wie z.B dem Abitur in 8 Jahren sieht. Bei aller Privatisierung von Bildungseinrichtungen, die Schulpflicht bleibt. Denn wie sonst würde sichergestellt, dass es eben (zumindest) den Nachwuchs gibt, den es braucht.
Die Konsequenz aus dem Ganzen ist also, dass es sich nicht lohnt, die ungerechte Verteilung von Noten zu kritisieren, ohne die gesellschaftlichen Strukturen ins Auge zu nehmen, die diese erforderlich macht. Ausweichmanöver wie z.B. Lernentwicklungsberichte sind eben genau das: das gleiche Ziel mit vermeintlich anderen Mitteln.
Wir sagen: Noten abschaffen!
Lernen für Noten?
Text aus “Denkblockaden”, Avanti-Zeitung zum Bildungsstreik 209
Forderungen der Studierenden zum Bildungsstreik 2009
Forderungen und Selbstverständnis der Schüler_innen zum Bildungsstreik 2009